Projektvergabe – Worauf Sie achten sollten – Teil 2

In diesem Teil zum Thema „Worauf Sie bei der Projektvergabe achten sollten“ befassen wir uns mit Qualitätsmerkmalen von Softwareprodukten.

Grundsätzlich kann man sagen, dass eine Software immer so gut ist, wie die Entwickler, die sie entwickeln. Dabei sind sowohl quantitative als auch qualitative Faktoren zu berücksichtigen.

Bei proprietärer Software ist es in der Regel schwierig zu sagen, wie groß die Entwicklungsabteilung ist, die an ihrer Produktion beteiligt war. Ein Indikator ist ein Supportforum. In einem Forum ist die Häufigkeit von Anfragen sichtbar und man kann sich einen Eindruck davon machen, wie viele Beteiligte es gibt. Platzt ein Forum vor Anfragen, ist davon auszugehen, dass die Software noch lückenhaft ist.

Bei OpenSource-Produkten sieht das anders aus. Da es sich etabliert hat, jede Art von Code über eine Versionierungssoftware, wie z. B. Git, zu verwalten, findet man den Entwicklungsstand von OpenSource-Produkten oftmals in öffentlichen Repositorys, wie z. B. auf Github.

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Das Repository zeigt neben dem Code auch an, wann welche Datei zuletzt aktualisiert wurde, wer als letztes etwas zum Respository beigetragen hat, wie oft die Daten zur weiteren Bearbeitung heruntergeladen wurden und wie viele Entwickler insgesamt an der Entwicklung beteiligt sind. Oft wird auch aufgeschlüsselt nach Entwicklern angezeigt, wie häufig und wie viel beigetragen wurde.

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Die Anzahl der Contributoren und die Häufigkeit der Commits sind unbestechliche Qualitätsmerkmale für ein Softwareprodukt.

Lebenszeit und Verbreitung

Sicherlich auch gute Indikatoren sind die Lebenszeit, die ein Produkt bereits aufweisen kann, sowie der Grad der Verbreitung. Neue Softwareprodukte entstehen fast täglich. Was gestern noch keiner kannte, ist morgen schon in aller Munde – jedoch vielleicht schon nach zwei Jahren wieder Schnee von gestern. Je nachdem, für welchen Bereich Ihres Unternehmens Sie ein neues Softwareprodukt suchen, ist es ratsam, sich zunächst über die Lebensdauer des angestrebten Projektes Gedanken zu machen. Diese Projektlaufzeit dient als Filter für die Auswahl der passenden Software.

Etwas Zentrales wie z. B. die Informationen zu seinen Kunden möchte man sicherlich lieber in die Hände eines etabilierten Produktes legen, statt sich für einen günstigen Newcomer zu entscheiden. Wer schon mal neue Software im Unternehmen etabliert hat, weiß, dass ein großer Teil der Arbeit erst nach der Entscheidung für ein Produkt beginnt.

Dass ein Produkt nur in einem bestimmten Gebiet besonders erfolgreich ist, muss keine Einschränkung sein. Vielmehr kann es auch bedeuten, dass dieses Produkt eben auf die spezifischen Bedürfnisse dieses Bereiches in besonderer Form eingeht.

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Kompatibilität und Schnittstellen

Sinnvoll ist es auch immer zu überprüfen, welche Schnittstellen die Software anbietet. Mindestens ein CSV-Export sollte eine Software ermöglichen. Verfügt die Software über eine API (Application Programming Interface), dann bedeutet das aber noch nicht, dass damit alle Probleme gelöst sind. Eine API beherrscht eben auch nur das, was Ihr beigebracht wurde. Und das sollten am besten Fachleute prüfen. Eine vorhandene API ist aber auf jeden Fall ein Plus.

Da es sich in den letzten Jahren etabliert hat, dass fast jede Software zusätzlich eine API anbietet, liest man häufig von „verfügbaren Integrationen“. Falls Sie schon einschlägige Software im Unternehmen einsetzen, lohnt es sich, hier einmal nachzusehen, ob Sie schon von einem solchen Angebot profitieren.

Falls Ihnen schon einmal eine Liste mit möglichen Integrationen in die Hände gefallen ist, so wird es Ihnen auch bekannt vorkommen, dass sich die Featureliste zunächst liest wie die Beschreibung einer Universallösung. Beginnt man dann mit der Integration, ist es nicht selten, dass Dinge nicht nahtlos funktionieren oder zusätzliche Services notwendig sind. Wichtig ist deshalb, dass die Software Ihnen einen kostenlosen Testzeitraum einräumt und Ihnen am besten auch entsprechender Support für die Testzeit angeboten wird. Bereiten Sie einen entsprechenden Test also vor und lassen Sie während der Testphase keine wertvolle Zeit dafür verstreichen.

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Usability und Effizienz

Nicht zu unterschätzen ist auch der Faktor, wie sehr Ihre Mitarbeiter die Software am Ende mögen. Finden Ihre Mitarbeiter die Software zu schwierig zu bedienen, kann sich das schnell zu einem echten Produktivitätskiller entwickeln. Plötzlich fallen jedem zehn andere Dinge ein, die man zunächst erledigen kann, bevor man sich mit der unliebsamen Software beschäftigt. Diese Wahrnehmung ist jedoch in der Regel eine sehr persönliche. Unser Tipp lautet: Befragen Sie Ihre Mitarbeiter zunächst, ob Interesse besteht, sich mit einem neuen Produkt zu befassen. Wenn ja, laden Sie die betreffenden Mitarbeiter ein, die Software testweise zu nutzen. Wer hier mit Spaß den Tag beendet, wird wahrscheinlich auch in Zukunft gern mit dem Produkt arbeiten.

Wägen Sie ebenfalls ab, wie viel Aufwand Sie kalkulieren müssen, damit Ihre Mitarbeiter die neue Software beherschen. Wie können Sie das erlernte Wissen für Ihr Unternehmen auch langfristig nutzbar machen? Gibt es ein Hand-Out, eine Dokumentation oder ähnliches? Sind eventuell Nachschulungen notwendig und, wenn ja, wer ist in der Lage, Ihnen dieses Wissen zu vermitteln? Gibt es hier mehrere Anbieter oder sind Sie an ein einzelnes Unternehmen gebunden?

Fazit:

Eine Pauschalantwort gibt es bei der Auswahl von Softwareprodukten nicht. Je nach Anforderungen des Projektes sollten Sie diese Kernaspekte überprüfen:

  • Größe der Entwicklergemeinde, Aktivität im Projekt
  • Lebenszeit und Verbreitung des Produktes
  • Kompatibilität und Schnittstellen
  • Usability und Effizienz

Wir hoffen, dass diese Gedanken Ihnen helfen, Ihre Entscheidungen mit etwas mehr Sicherheit treffen zu können. Im nächsten Teil werden wir erläutern, warum Git heute für jede Art von Code und damit auch für jeden Dienstleister in dem Bereich ein Must-Have ist.

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